Letzte Woche Montag wurde mal lässig verkündet, daß wir bitte ohne jede Vorwarnzeit unser Federvieh einsperren sollen – wegen einer toten Ente am nördlichsten Ende Hessens.

GsD hatte ich schon „für den Fall“ bißchen vorgeplant und mit heldenhafter Mithilfe von Brüderchen & Schwägerin haben wir einen Kellerraum freigeräumt, damit da das Brennholz rein kann und die Enten dann in die Garage, wo eigentlich das Brennholz bedienungsfreundlich auf Paletten sitzt.

In anderen Bundesländern gab es wenigstens 3 Tage Vorlauf, ich durfte dann bis Mitternacht wurschteln und räumen, bis ich die fassungslosen Quakerchen in der Garage sitzen hatte. Als wäre „Ente einfangen, untern Arm klemmen und umsetzen“ für die Kerlchen nicht schlimm genug, war -vermutlich durch den Streß- Linus´ nichtvorhandenes Auge total dick geworden, was erneutes Entenpflücken für Tierarztbesuch oder Wartungsarbeiten zur Folge hatte.

Die armen Enten haben inzwischen schon Panik, wenn sie mich sehen (Linus weiß jetzt, daß ich ihn nicht essen will, und geht zur Belustigung der gesamten Praxisbelegschaft jetzt zum Gegenangriff über, aber alle anderen Enten flüchten so panisch, daß ich schon mit dem nächsten Patienten rechne).

Die Hühner verlegen sich eher auf Klagegesänge, damit sie im Stall nicht total depressiv werden, habe ich einen Teil der Frontverkleidung des Stalls durch Gitter ersetzt. Göckelchen findet es nicht ganz so witzig, dem Hörspiel nach wird er von Opa Hubert regelmäßig verhauen, evlt. zieht er mit den kleineren Hühnern als Mäusejagdkommando auch in der Garage ein.

Samstag war ich eigentlich überhaupt nicht fit, mußte aber vor dem Frost noch schnell paar Pfosten einschlagen, um den Hühnern einen überdachten Auslauf basteln zu können.

Habe ich eigentlich schon die 70 € für Baumaterial und die Kosten für Einwegüberschuhe, „Schutzkleidung“ und Entenbeleuchtung erwähnt? Mal davon abgesehen, daß die Hühner aus Langeweile fressen wie die Scheunendrescher. Die Enten haben die ersten Tage kaum gefressen.

Es sind grade mal anderthalb Wochen von einem endlos scheinenden Winter rum und die Nerven bei Haltern und Federvieh liegen blank.

Zwar gibt es tatsächlich Leute, die es so praktischer finden und die ihre Hühner bei dem ersten Kältehauch sowieso einsperren, aber das ist nicht ganz das, was man als Normalsterblicher unter artgerechter Freilandhaltung versteht.

Dann gibt es Leute, die brav und kritiklos glauben, was „die Experten“ ihnen erzählen, und alles andere als Verschwörungstheorien abtun.

Ich habe die Texte auf den Seiten von Nabu, ProVieh usw. gelesen und selten so plausible „Verschwörungstheorien“ gesehen. In den Vogelgruppen ohne Nutzgeflügelbezug begegnet mir immer wieder die Frage „wenn das so gefährlich ist, wieso sind dann nicht überall tote Vögel?“

Ja, warum wohl?

Und warum bemerken die „Experten“ diese Unlogik nicht?

Wir sitzen zwischen allen Stühlen, einerseits will man seine Tierchen vor möglichen Gefahren beschützen – aber bitte nur, wenn sie auch real sind. Im Moment habe ich hier unglückliches Federvieh (die Enten wissen ja nicht, daß sie im Verhältnis noch sehr komfortabel eingeknastet sind) und einen so deprimierenden Blick in den Garten, daß ich oft vergesse, den Vorhang vorm Fenster wegzuziehen – es gibt ja nix zu sehen außer einer leeren Badewanne und einem kaum genutzten Stallumbau, und das bei weit entfernten, vereinzelten Vogelgrippefällen.

Überhaupt ist die Sorge vor Ansteckung wesentlich geringer als die Angst, daß in irgendeinem Großbetrieb im Umkreis ein Huhn von der Stange fällt und dann aufgrund vorauseilender Behördenhysterie die eigenen, gesunden Tiere ermordet werden. Das ist der absolute Horror.

Stellt euch vor, euer Hund oder eure Katze wird umgebracht, weil am anderen Ende der Stadt ein Hund oder eine Katze krank war – wie bescheuert ist das?

Wir müssen das jetzt irgendwie durchstehen. Aber wir müssen auch endlich aufstehen gegen die Lobbyisten der Geflügelindustrie, die zwar regelmäßig Vogelgrippefälle in ihren hermetisch abgeriegelten Betrieben haben, sich trotzdem aber kackdreist vor die Kamera stellen und so tun, als wären die Freilandhalter die Ursache allen Übels.

Wenigstens gab es in der „Welt“ jetzt mal einen kritischen Bericht zur Vogelgrippentheorie – endlich, nach Jahren, wird mal jemand wach.

Wer sich mal abseits der öffentlich angeordneten Theorie eine Meinung bilden möchte, hier ist eine kleine Linksammlung zum Thema:

Die Erklärung für die Vogelgrippe kann nicht stimmen – WELT

Stellungnahme des Wissenschaftsforums

Die wahren Ausbreiter von Geflügelpest

Das Virus gedeiht in den Hühnerfabriken (von 2006!!!) 

Massentötung fragwürdig

Kritischer Agrarbericht (sehr informativ und gut lesbar) 

Aufstallpflicht schadet artgerechter Haltung – offener Brief 

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