Es gibt wieder eine kleine Sittichdame im Haus 🙂 .
Ich habe nie aktiv gesucht, sondern befunden, wenn es soweit ist, kommt irgendwoher wieder so ein kleines Mäuschen zu uns.
Sonntag vor einer Woche habe ich über einen Aushang im Supermarkt eine gute Voliere zum Schnäppchenpreis ergeiert („so als Jokerkäfig“) und zwei Tage später kam dann schon ein Angebot für eine Bewohnerin.
Die kleine Dame heißt Baloo, ist verwitwet und sollte wieder nette männliche Gesellschaft bekommen.
Sherlock scheidet damit zwar schonmal aus, aber manche Mädels stehen ja auch auf Rüpel.
Der einzige Haken: der Mausevogel saß in Krefeld, weshalb der Transfer warten mußte, bis es nicht mehr ganz so heiß war.
Am Sonntag startete ich also eine mittlere Weltumsegelung einschließlich Kulturschock (aus Thüringen war ich es gewohnt, daß man auf die Autobahn fährt und dann mit Schwung durchdonnert, weshalb ich die Tour auch mit einem Zoobesuch in Krefeld kombinieren wollte. Wie sich herausstellte, dienen Autobahnen in NRW überwiegend der Entschleunigung), Umleitung in Köln bei übelstem Unwetter (selbstverständlich ohne Navi) und -glorreich verschätzt- in Krefeld gibt es Straßenbahnschienen (ich bin vom Dorf, ich hasse das).
Mit Gefühl und Augenmaß (und einem ungeplantem Abstecher in eine Einkaufsmeile, aber mein Auto kann ja als „Lieferverkehr“ durchgehen) habe ich dann tatsächlich den Wohnort von Frau Vögelchen gefunden, nach kurzem Protest hatte ich die Kleine gepflückt und umquartiert, dann gab es noch eine Runde Sittichtratsch, bis sie sich offensichtlich mit dem neuen Käfig arrangiert hatte und wir zockelten heimwärts.
Kaum waren wir auf der Autobahn, fing sie gemütlich an zu futtern und im Stau übernahm sie das Meckern für mich – wir passen offensichtlich ganz gut zusammen.
Zum Ausruhen wurde sie erstmal im Wohnzimmer geparkt, später streßfrei in die neue Voliere umgesetzt und bei Dunkelheit in die Küche geschoben.
Kaum waren kleine Trippelfüße auf Gitter zu hören, klebte Sherlock als mißtrauische Mango im Dämmerlicht an der Tür und schielte rüber.
Baloo schielte zurück, da keiner was sagte, hielten sie sich wohl gegenseitig für Phantome.
Flederli klemmt immer wie eine gelbe Frucht auf einem Zweig direkt unterm Volierendach, der kriegt nix mit.
Am nächsten Morgen durften erst die Herren raus.
Wie von mir vermutet, fanden sich Flederli und Baloo ganz interessant, Sherlock hatte nur Augen für alles eßbare in Baloos Voliere.
Danach wurden die Herren mit List und Tücke eingesperrt und Baloo durfte sich die Füßchen vertreten.
Sie ist klitzeklein, sehr zackig unterwegs und kann mit ihren schwarzen Minifüßchen fast soviel Einstreu wegscharren wie Sherlock 😀 .
Flederli ist zum totlachen, er interessiert sich brennend für die Kleine, ist aber so schüchtern, daß er vor Schreck senkrecht in die Höhe hüpft, sobald sie sich bewegt.
Inzwischen dürfen Flederli und Baloo zusammen herumkaspern und Baloo hat unbürokratisch seine Voliere auf den Kopf gestellt, das arme Flederli schwankte zwischen Panik und Begeisterung.
So wie es aussieht, würde er sie eigentlich gerne füttern – das hektische Volltanken hat er schon gemacht, aber wie füttert man eine Dame, ohne ihr zu nahe zu kommen? Die Rädchen in seinem gelben Köpfchen rattern momentan erheblich.
Sherlock zeigt keinerlei Balzverhalten, nur Futterneid ohne Ende. Es könnte sogar sein, daß er ohne Gitter dazwischen vor Baloo flüchtet (er hat auch durchs Gitter nie aggressiv gedroht), aber wenn der Neidhammel dauernd dazwischenfunkt, wird das mit Flederlis Liebeswerben nie etwas, deshalb wird hier momentan im Schichtbetrieb die Küche verwüstet.

Baloo ready for take-off

Sie schielt zu Sherlock hoch

Der glorreiche Held macht sich so unsichtbar wie möglich

Besuch bei Flederli

Baloo parkt im Schlafhäuschen und Flederli hat sie im Blick. Baloo ist wirklich eine höfliche kleine Maus, zwar muß ich jetzt wieder rund um den Schrank alles dichtmachen, weil Sittichmädels notorische Höhlensucherinnen sind, aber nach jedem Ausflug ist sie ohne jegliche Diskussion wieder brav in ihre Voliere zurück.