In der Sittich-WG hängt der Haussegen schief.
Alles fing damit an, daß ich Flederlis Krällchen schneiden mußte.
Dafür wurde er in bewährter Weise abends aus der Voliere gepflückt. Allerdings nicht „richtig nachts“ sondern abends um 10, vielleicht war das der Fehler.
Jedenfalls, wo Sherlock diese Sache als „schlecht geträumt“ verbucht, seit die Kosmetik auf nachts verschoben wurde, hat Flederli mir die Aktion äußerst verübelt.
Und der Rollvoliere ist auch nicht mehr zu trauen, soviel steht für ihn fest.
Als Meister des gewaltlosen Widerstandes hat er sich paar Übernachtungen bei Sherlock in der großen Voliere ertrotzt. Ich dachte schon, das Problem mit den Übernachtungen wäre endlich gelöst, da ging es abends wieder rund in der Voliere – Sherlock schoß als erbost hupende, gelbgrüne gefiederte Flipperkugel durch die Voliere und das arme Flederli war auf der Flucht.
Der Kerl giftet auch wirklich NIE zurück, er scheint der höflichste Sittich der Welt zu sein.
Es sah nicht so aus, als würde sich da was von alleine klären, also Volierentür auf zwecks Deeskalation – und Sherlock schoß mit seinem erhöhten Blutdruck raus und postierte sich kammstellend oben auf der Voliere.
Nur, daß Flederli zu der Zeit schon wieder zufrieden fluffelnd neben seinem Lieblings-Nagebrett einparkte.
Mir war´s ja wurscht, Tür zu, ist schonmal einer verhaftet, und Sherlock quartierte sich irgendwann in der Rollvoliere ein.
Diese Nummer haben sie jetzt paar Abende abgezogen, und jetzt ist das Maß voll – in typisch männlicher Logik liegt nach Sherlocks Meinung der Fehler auf keinem Fall bei ihm, sondern Flederli hat irgendwie heimtückisch dafür gesorgt, daß er als großmächtiges Hähnchen in der Blechbude übernachten mußte (meine Bestechungsgeschenke wurden in der Argumentation dezent ignoriert).
Jedenfalls gilt Flederli momentan als Ursache allen Übels und wird nach Möglichkeit angegiftet.
Und ich muß mit einem gelben Ghandisittich verhandeln, der oben auf der Voliere oder im Regal übernachten will.
Und wenn er mal brav in die Voliere turnt, ist er total nervös und hüpft sofort, wenn der Herr Zankteufel 1 m weiter am Gitter klebt und droht.
Jetzt ist Flederli erstmal neben dem Geschirrspüler eingeparkt und über Nacht stelle ich ihn mal ins Wohnzimmer, der ist morgens so zerknautscht, ich vermute, der peilt immer mit einem Auge zum Feind.
Und seine Krällchen wachsen schon wieder ohne Ende, dabei hatten wir uns grade drauf geeinigt, daß ich etwas weniger schrecklich als Sherlock bin.