Am MIttwoch hatte ich hier sprichwörtlich den Dreizehnten.

Es war so ein klassischer „bitte vierteilen Sie sich, wenn möglich“-Tag, ich hatte seit anderthalb Wochen das Hundetier in Vollzeit, war dementsprechend überall hinterm Zeitplan und wollte deshalb besonders effizient sein. Was bedeutete: nicht andächtig zuschauen, wie die Entenwanne voll Wasser läuft, sondern nach erfolgreichem Start der Pumpe im Beet daneben Unkraut zibbeln (das hat sich inzwischen auch als Luftnummer erwiesen, danach hat Goldie nämlich besser sehen können, welche Blumen sie noch meucheln muß) und, als ich vom Tank zur Regentonne gewechselt hatte, war bei 200 Litern noch Zeit, um schnell den Hund um die Ecke zu bringen (nicht so, wie sich´s anhört…).

Hund erleichtert, ich komme zurück, erwarte glückliche Enten im vollen Pool – stattdessen ratlose Schnabeltierchen und eine Minute später bin ich genauso ratlos: die Wanne ist leer. Die Regenwasserreserven jetzt auch.

Entweder, ich war beim Stöpsel reinmachen sensationell blöd, oder der Schlauch hat beim Pumpen mal gegen den Draht vom Stöpsel geschlagen, keine Ahnung, ich war jedenfalls reichlich genervt, daß die Quaker jetzt nur ein Blitzbad im Sickerbereich machen konnten und das war´s dann schon wieder mit dem Wasser.

Das ganze Ritual mit Wanne schrubben, Schläuche durch die Gegend zerren und Pumpe umsetzen macht ja nur Spaß, weil man vor dem inneren Auge schon glücklich plitschelnde Entchen sieht.

Bis zum Abend war ich angemessen grummelig (die Enten auch), dann kam über Facebook die Meldung: Bruce hat ein Vorstellungsgespräch.

Das wirkte dann stimmungsaufhellender als jede Pralinenschachtel.

Die Randbedingungen ideal: Facebookkompetentes Mädel orderte Hahn für ihren Vater. Meine Horrorvorstellung, daß er bei einer Hühnerkuschlerin landet und nach dem ersten Kennenlernen haben beide einen Nervenzusammenbruch, war damit schonmal beseitigt.

Da sie aus dem Raum Frankfurt kam, war ich im Wortsinn entgegenkommend und wir vereinbarten konspirative Übergabe auf dem McD-Parkplatz Samstagmittag.

Freitag sagte ich mir bei jedem Gezeter aus der Geflügelabteilung „ich weiß etwas, was Du nicht weißt“, nachts wurde er in bewährter Weise in den Knast umgesetzt zwecks streßfreiem Start am Samstag (soweit die Theorie), Samstagmorgen bastelte ich höchst wohlgelaunt die ultimative Gockelreisekiste.

Da ja auch bißchen Besichtigung möglich sein sollte, ich aber nicht so optimistisch bin und auf einem Parkplatz eine Kiste aufmache, wo Senkrechtstarter Bruce drinhockt, wurde ein gigantischer Amazonkarton mit 2 vergitterten Fenstern ausgerüstet (wohl dem, der jeden Schrott aufhebt – ein Gitter war von einem Wohnwagenkühlschrank, das zweite noch antiker). Eine Pappsitzstange aus einem ausgeschnittenen Obststeigendings gab es auch noch, damit er weder rumrutscht in den Kurven noch in seinen Klecksen hockt (ihm ist das egal, ist aber immer toll, wenn man das Huhn dann raushebt und einen Fehlgriff macht).

Alles perfekt, noch schnell Hunderunde und dann kann Bruce einziehen.

Ich nähere mich dem Meditationszimmer, Bruce göckert bedenklich.

Die ans Gitter gelehnte Palette weggeräumt (nie ohne doppelte Absicherung), Bruce fährt die Systeme hoch.

Ich quetsche mich durch einen Spalt am Gitter vorbei rein in seien Knast, er nutzt schamlos aus, daß diesmal kein Kollege im Weg sitzt, stürzt in seiner bewährten „Angriff ist die beste Verteidigung“-Manier auf mich zu und ehe ich piep sagen kann, hat er sich irgendwie aus der Bude rausgebeamt (Stellt euch vor, ihr müßt in einer handelsüblichen Klokabine einen Fußball fangen, der Haken schlagen kann. Sieht eigentlich nicht schwer aus, aber Überraschungen gibt es immer wieder).

Toll. Hahn im Keller, 10 Minuten bis Abfahrt. Und ich bin NICHT gewillt, mir diese Gelegenheit entgehen zu lassen.

Nix mit streßfrei und Verständnis, die Spottdrossel mutiert in Sekundenschnelle zum Greifvogel.

Er zischt in die Garage, ich zische hinterher (natürlich stand wieder ein Haufen Baumarktbeute im Weg rum, was sonst). Netterweise hat er aber seine Strategie geändert, er rennt nicht durch bis zum Bauholz, sondern bleibt ziemlich schnell stehen, um wieder an mir vorbeizufegen.

Und zurück in den niedrigen Keller. Ich habe Deja-vus im Minutentakt und frage mich, ob die Tür zur Waschküche zu ist oder er im ungünstigsten Fall durch den gesamten Ostflügel in die obere Wohnung rennen kann.

Zum Glück will er es nicht wissen und rennt wieder in die Garage.

Mein amtlich zu niedriger Adrenalinspiegel ist so ziemlich leergefahren und mir ist jetzt alles egal. Diesmal bekomme ich irgendwas Vogeliges in die Finger, und beim Hühnerfangen ist bei mir Gesetz: was man erwischt hat, bloß nicht loslassen, das Huhn geht schon nicht kaputt.

In diesem Fall hatte ich ihn an seinem prächtigen Heckspoiler erwischt und so wurde er -„Du hast es so gewollt“ zeternd und kreischend kopfüber baumelnd zu seinem Reisekarton befördert.

Hätte man das nicht auch einfacher haben können? Ein Harem von 20 Mädels warten auf ihn, und er stellt sich so an.

Diverse Proteste später sind wir unterwegs, irgendwann hält er dann die Klappe und ich frage mich, ob er nur beleidigt ist oder einen Herzkasper hat. Wie sich herausstellte, war er aber noch höchst lebendig.

Die Dame fand ihn hübsch, beschloß, der Vater hat sowieso immer was zu meckern und wird jetzt nicht weiter gefragt, ich bekam ein Glas selbstgemachten Bärlauchpesto, (auf den Test bin ich schon sehr gespannt) und fuhr weiter in die Baumschule, um meinen glorreichen Sieg zu feiern.

Abends kam dann über Facebook die Meldung, alles gutgegangen (ich hatte so Horrorvorstellungen von Bruce als Lufterfrischer am Rückspiegel baumelnd), und ein Foto kam auch

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