Da ich die Regenpause ausnutzen mußte, seid ihr ja noch gar nicht über die neuesten Schnabeltier-Untaten informiert.

Unrund laufendes Entchen Luna sollte ja homöopathische Tropfen bekommen. Um sie nicht noch mehr zu stressen, wollte ich die in einem kleinen Glas mit Dosenmais servieren. Laut allgemeinen Aussagen mögen Entchen Dosenmais.

Anscheinend muß ich Luna mal bei Facebook anmelden, sie wußte es nämlich nicht, der Mais blieb unberührt.

Zwecks Beinchenschonung saß sie im Knast, der Tagesablauf sah also so aus, daß ich morgens erstmal in den Entenstall reingreifen und eine mittlere Panik verursachen mußte. Der Programmpunkt „morgens UND abends Medizin geben“ wurde daher gestrichen, ich hatte die Befürchtung, daß sie mir sonst nicht mehr in den Stall gehen, wenn danach gleich Angst und Schrecken herrscht.

Nach 2 Tagen im Knast durfte sie an Tag 3 mit den anderen mitflitzen, für ihr Seelenleben und dem der Nachbarn, hier wurde ja konstant gemotzt. Außerdem wollte ich sehen, wie sie läuft, für die Rückmeldung an die Tierärztin.

Freitag dann feierlicher Versuch, eine Ente zu betanken.

Erbost zappelndes Entchen geschnappt und dann ging das Sortieren los – ein Huhn stelle ich je nach Kooperationsbereitschaft entweder auf die Aschetonne oder ich lege sie auf den Rücken und nehme sie wie ein Baby auf den Arm – dann sind sie mit dem Kopf einigermaßen ausgebremst (man glaubt nicht, was so ein Hühnerhals für einen Aktionsradius hat) und wenn man mit der Spritze bißchen an den Mundwinkel drangeht, machen sie meistens auch halbwegs den Schnabel auf. Der Rest geht dann zügig).

Nicht so bei einer Ente.

Punkt 1 waren wild rudernde Füßchen, und was man als nicht-Entenbesitzer nicht sieht: da sind kleine Krällchen dran. Und die haken sich ÜBERALL ein, wo es grade ungünstig ist. Dazu noch flatternde Flügelchen und ein SEHR langer Hals.

Nachdem wir uns an der Aschetonne nicht einigen konnten, wurde der Schauplatz an einen Gartenstuhl verlegt. Kaum hatte ich Luna auf dem Schoß, wurde ihr Hals immer länger und sie schaute mir streng in die Augen, womit Lachanfall 1 schonmal gesichert war.

Mit dem Schnabel in Großaufnahme ergab sich das nächste Problem: wo ist hier die Einfüllöffnung?

Der grinsende „Mundwinkel“ ist, wie ich jetzt weiß, eine optische Täuschung. Der Schnabel schließt dicht, der Unterschnabel ist komplett vom Oberschnabel verdeckt.

Und schimpfen können sie auch mit geschlossenem Schnabel, solange noch nicht höchste Alarmstufe ist.

Ich tippte und streichelte also an ihrem Schnabel herum, sie hielt ihn fest zusammengekniffen und schimpfte vor sich hin. Irgendwann wurde ihr das zu blöd, sie fuchtelte mit ihrem Hals rum wie eine Schlange beim Schlangenbeschwörer und wollte sich anscheinend kletternd der Sache entziehen. Und da ich sie im Arm hatte, war die einzige Möglichkeit: nach oben.

Im Nullkommanix hatte diese listige Ente ihren Kopf über meinen Nacken geschoben und nahm mich buchstäblich in den Schwitzkasten. Daß ich vor Lachen fast vom Stuhl gekippt wäre, war der Sache natürlich nicht unbedingt förderlich.

Ich durfte also meinen Schlangenbeschwörer-Schnupperkurs auch noch im Blindflug abhalten, weil ich irgendwie die Ente von meinem Hals wickeln mußte und das ohne Rückspiegel.

Da Luna hinreichend deutlichgemacht hatte, daß von ihr keinerlei Kooperation zu erwarten ist, wurde ich dann bißchen energischer (die ganze Aktion war „nur mal schnell“ vorm Frühstück), hielt das Köpfchen mit der Hand fest und verschaffte mir per Fingernagel Zugang zum Schnabel.

Es ging unentschieden aus, die Hälfte landete in meinem Ärmel.

Zumindest bin ich froh, daß ich jetzt mal einen Probelauf hatte, wo´s nicht so drauf ankam. Bei Antibiotika oder was anderem, was wirklich pünktlich rein muß, wäre ich ziemlich ins Schwitzen geraten.

Ursprünglich wollte ich am nächsten Tag das Entchen zwischen meine Beine stellen, in der Hoffnung, daß der Kopf dann in idealer Arbeitshöhe ist, aber abends gab es hier eine Protestveranstaltung: die Enten hatten beschlossen, dem Stall wäre nicht mehr zu trauen, und erst nach einer halben Stunde, in der ich zum Hütehund mutieren mußte, hatte ich sie endlich sicher hinter Schloß und Riegel.

Folglich wurde beschlossen, Luna ist selber dafür zuständig, ihr Beinchen zu schonen, stattdessen baue ich ein Entenleitsystem, auch zum Wohle des Entensitters. Enten, die bei fortgeschrittener Dämmerung nochmal fröhlich Richtung Wald wackeln, sollen keine Gewohnheit werden.