Ich fasse zusammen: wir haben 4. Advent, ich pflanze ohne Jacke eine kanariengelbe Rose für einen kleinen, gelben Vogel, eine andere Rose blüht, beim Hühnerfutterdealer entdeckte ich eine zu allem entschlossene, halbrote Erdbeere, die Motorradfahrer schwärmen aus, in der Küche schwirrt ein nicht näher identifiziertes Insekt ohne Mütze und Schal, Herd wird nur abends angeheizt, das Jahr ist fast rum und ich bin noch an der ersten Palette Brennholz.

Wenn es nach den gesammelten Schnabeltieren geht, kann es so bleiben.

Und ich hatte heute ernsthaft über „Maibowle zu Weihnachten“ nachgedacht, da es dem Waldmeister im Beet prächtig geht.

An der Sittichfront bin ich der einzige im Marabu-Modus – ich dachte ja die ganze Zeit, Sherlock wäre so ruhig, weil er sich an Lilly angepaßt hat. Deshalb wollte ich auch Flederli dazuholen. Allerdings war mir schon aufgefallen, daß er, wenn ich sie zum Aufwärmen ins Wohnzimmer gesetzt hatte, dann morgens nicht „wo ist meine Kollegin?“ zeterte, sondern nur mal freundlich nachfragte, ob ICH da bin und wann es Frühstück gibt.

Tja, und jetzt – er ist wie ausgewechselt. Quietschvergnügt im Wortsinn – anscheinend hat er den kleinen Lillyvogel als absolut bedrohlich eingestuft und quasi „schreckensstarr“ nur das Nötigste erledigt.

Jetzt hopst er durch die Küche, quatscht, piepst, scheppert, sucht Höhlen, zerlegt meine Zeitung und ist „normgerecht“ frech.

Flederli nutzte seine gute Laune, um sich bekannt zu machen 🙂 . Gestern hat er eine größere Rede gehalten und ist dann im Balzmodus, mit Kopfschwenken und John-Wayne-Schritten, auf Sherlock zugedackelt. Der war angemessen verwirrt, hat aber nicht gegiftet.

Mittags gab es dann mal ein Gefecht mit 3 fliegenden Federn und einem verschreckten Flederli, insgesamt ist die Lage aber eher friedlich. Zusammen schlafen möchten sie noch nicht, aber Sherlock ist schon mit einem „ich muß mal Dein Bad benutzen“ in Flederlis Batmanhöhle geschwirrt und hat sich da gemütlich geputzt (das würde er nicht machen, wenn er ihm nicht trauen würde) und Flederli darf sich ungestraft aus Sherlocks Bereich Futter holen.

Flederli ist eigentlich „Professor“ Flederli, er kann ganz toll würdevoll aussehen 🙂 (von der Kopfform her fehlt nur noch so eine Drahtbrille). Auch faszinierend: der Vogel hat einen Hals. Sherlock ist ja eher pömbelförmig, es muß schon was sehr Spannendes in Reichweite sein, damit man sieht, daß er ein GROßsittich ist. Flederli ist momentan ständig am Forschen und Ausprobieren und immer, wenn er über was nachdenkt, bekommt der Hals eine ungeahnte Länge und der Kopf geht hin und her (was dem armen Kerl dann wieder die Anrede „Du Huhn“ einbringt. Der Vogel hat viele Identitäten).

Mir traut er noch nicht so recht über den Weg, scheint aber begriffen zu haben, daß ich Essensbestellungen annehme.